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Stammbaum erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung (kostenlos)

· 5 Min. Lesezeit

Einen Stammbaum zu erstellen klingt nach einem großen Projekt – nach Archiven, alten Kirchenbüchern und unleserlicher Sütterlinschrift. In Wahrheit beginnt jeder Stammbaum ganz klein: mit dir selbst, deinen Eltern und deinen Großeltern. Diese drei Generationen kennst du meist schon, und von dort aus wächst der Baum Schritt für Schritt.

In dieser Anleitung zeigen wir, wie du sinnvoll vorgehst, welche Quellen es gibt, wie du Daten so festhältst, dass sie später noch stimmen – und wie die ganze Familie mithelfen kann. Alles, was hier beschrieben ist, geht auch komplett kostenlos.

Bevor du anfängst: Ziel und Umfang festlegen

Überleg dir kurz, wofür der Stammbaum gedacht ist. Ein Geschenk zum 80. Geburtstag der Oma braucht andere Tiefe als ein Projekt, mit dem du die Herkunft deines Nachnamens bis ins 18. Jahrhundert verfolgen willst. Beides ist völlig legitim – aber es hilft, das Ziel zu kennen, damit du dich nicht verzettelst.

  • Nachkommen-Stammbaum: Du startest bei einem Ahnenpaar (z. B. Urgroßeltern) und trägst alle Kinder, Enkel und Urenkel ein. Ideal für Familientreffen.
  • Ahnentafel (Vorfahren): Du startest bei dir und gehst nur nach oben – Eltern, Großeltern, Urgroßeltern. Pro Generation verdoppelt sich die Zahl der Personen.
  • Gemischt: Die meisten Familien landen hier: Vorfahren in direkter Linie plus Geschwister, Cousinen und Cousins, soweit man sie kennt.

Für den Anfang reichen drei bis vier Generationen. Das sind schnell 20 bis 40 Personen – genug, um ein Gefühl für die Familie zu bekommen, und überschaubar genug, um wirklich fertig zu werden.

Schritt 1: Aufschreiben, was du schon weißt

Nimm dir eine halbe Stunde und notiere alles, was du ohne Nachschlagen weißt: Namen, ungefähre Geburtsjahre, Orte, Berufe, Ehen. Lücken sind normal. Markiere Unsicheres mit einem Fragezeichen, statt zu raten – „Opa Heinz, geb. ca. 1938?, Bremen?“ ist eine wertvolle Notiz.

Wichtig von Anfang an: Notiere bei Frauen und Männern, die durch Heirat ihren Namen geändert haben, den Geburtsnamen. Ohne ihn findest du später in Urkunden oft nichts.

Schritt 2: Die Familie fragen

Die ergiebigste Quelle sind die Menschen selbst – vor allem die ältere Generation. Großeltern, Großtanten und -onkel wissen oft Dinge, die nirgendwo aufgeschrieben sind: wer mit wem verheiratet war, wo die Familie vor dem Krieg gelebt hat, warum ein Familienzweig den Kontakt verloren hat.

Plane solche Gespräche bewusst und nicht nebenbei auf der Familienfeier. Eine Liste mit Gesprächsanregungen findest du in unserem Artikel Fragen an Oma und Opa.

Tipp: Fotos mitbringen

Alte Fotos sind die besten Gesprächsöffner. Wer ist das? Wo wurde das aufgenommen? Schreib die Antworten sofort auf die Rückseite (mit weichem Bleistift) oder direkt in die digitale Notiz zur Person.

Schritt 3: Dokumente sammeln

Viele Daten liegen schon in Schubladen und Ordnern der Familie. Frag gezielt nach:

  • Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden
  • Familienstammbücher (in Deutschland seit Jahrzehnten bei der Eheschließung üblich)
  • Taufscheine, Konfirmations- und Kommunionsurkunden
  • Traueranzeigen, Sterbebildchen, alte Briefe und Postkarten
  • Zeugnisse, Arbeitsbücher, Wehrpässe

Fotografiere oder scanne die Dokumente, statt die Originale mitzunehmen – so bleiben sie bei ihren Besitzern, und du hast trotzdem alles beisammen.

Wenn die Familie nichts mehr weiß: Standesämter und Archive

Für ältere Daten sind Standesämter, Stadt- und Kirchenarchive zuständig. Wie lange Register beim Standesamt bleiben und ab wann sie an ein Archiv abgegeben werden, regelt das Personenstandsgesetz; die Einsicht in jüngere Einträge ist in der Regel nur direkten Verwandten möglich. Vor Einführung der Standesämter (in Deutschland flächendeckend 1876) sind Kirchenbücher die wichtigste Quelle. Rechne damit, dass Anfragen Zeit und teils Gebühren kosten – frag am besten vorher nach.

Schritt 4: Papier oder digital entscheiden

Ein Stammbaum auf Papier ist schnell begonnen, aber schwer zu ändern: Jede neue Cousine bringt das ganze Blatt durcheinander. Digital kannst du jederzeit ergänzen, Fotos und Geschichten anhängen und am Ende trotzdem einen schönen Ausdruck machen. Einen ausführlichen Vergleich findest du im Artikel Stammbaum-Vorlage: Ausdrucken oder digital?.

Wenn deine Familie schon einen Stammbaum in einem anderen Programm hat, musst du nicht neu anfangen: Fast alle Programme können eine GEDCOM-Datei exportieren. Wie das geht, steht in GEDCOM-Datei öffnen und importieren.

Schritt 5: Personen und Beziehungen eintragen

Beginne mit dir selbst und arbeite dich nach außen vor. Pro Person sind diese Angaben am nützlichsten:

  1. Vorname(n), Nachname, Geburtsname
  2. Geburtsdatum und -ort
  3. ggf. Sterbedatum und -ort
  4. Eltern, Partner:innen und Kinder
  5. Beruf, Wohnorte, Besonderheiten

Schreib Daten einheitlich (z. B. TT.MM.JJJJ) und Orte möglichst mit dem damaligen Namen plus heutiger Zuordnung, etwa „Königsberg (heute Kaliningrad)“. Wenn du nur das Jahr kennst, trag nur das Jahr ein – ein erfundener 1. Januar richtet später mehr Verwirrung an als eine ehrliche Lücke.

Schritt 6: Gemeinsam weiterpflegen

Ein Stammbaum ist nie fertig. Es kommen Kinder dazu, jemand heiratet, eine Tante findet einen Karton mit Briefen. Am besten funktioniert es, wenn nicht eine Person alles allein pflegt, sondern die Familie mitmachen kann – jede:r ergänzt den eigenen Zweig.

Und ein Stammbaum ist mehr als Namen und Daten: Geschichten, Fotos, Rezepte und Stimmen machen ihn lebendig. Ideen dafür findest du in unseren Artikeln zur Familienchronik und zum Familien-Kochbuch.

So geht es bei uns

Im Familienstammbaum legst du ein kostenloses Konto an, beginnst mit dir selbst und lädst Verwandte per Link ein. Alle können Personen, Fotos, Geschichten und Rezepte ergänzen. Bis 10 Personen ist das dauerhaft gratis, ohne Zahlungsdaten.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Gleichnamige verwechseln: Drei Johann Müller im selben Dorf sind keine Seltenheit. Prüfe Geburtsdaten und Eltern, bevor du Personen zusammenführst.
  • Online-Stammbäume ungeprüft übernehmen: Fremde Bäume im Internet sind ein guter Hinweis, aber keine Quelle. Übernimm nichts, was du nicht nachvollziehen kannst.
  • Quellen nicht notieren: Schreib dir zu jeder Angabe kurz auf, woher sie stammt („laut Tante Erika“, „Heiratsurkunde 1962“). In zwei Jahren weißt du es sonst nicht mehr.
  • Datenschutz vergessen: Daten lebender Verwandter gehören nicht in einen öffentlichen Online-Stammbaum, ohne dass sie zugestimmt haben.

Häufige Fragen

Kann ich einen Stammbaum kostenlos erstellen?
Ja. Auf Papier ohnehin, aber auch digital gibt es kostenlose Möglichkeiten. Im Familienstammbaum ist ein Stammbaum mit bis zu 10 Personen dauerhaft kostenlos und ohne Zahlungsdaten.
Wie viele Generationen sollte ein Stammbaum haben?
Für den Anfang reichen drei bis vier Generationen – also bis zu den Urgroßeltern. Danach kannst du jederzeit weitermachen, wenn dich ein Zweig besonders interessiert.
Wo finde ich Daten über meine Vorfahren?
Zuerst in der eigenen Familie: Gespräche, Familienstammbücher, Urkunden, Briefe. Für ältere Daten sind Standesämter, Stadtarchive und Kirchenbücher zuständig.
Was mache ich, wenn ich ein Datum nicht genau kenne?
Trag nur ein, was du weißt – etwa nur das Jahr – und vermerke, dass die Angabe ungefähr ist. Ein erfundenes genaues Datum führt später leicht in die Irre.